WEGEKREUZE


Herr, dreieiniger Gott

Wir bitten in dieser
friedlosen Zeit um den Frieden!
Für die Welt und ihre Völker.
Für die Länder
und ihre Menschen.
Für uns selbst
und unsere Herzen.

Dazu segne uns Gott der Allmächtige,
der Vater, der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen

 

 

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Himmelfahrt

Was bedeutet das: ›Himmelfahrt‹? -  Viele Leute zucken da fragend die Schultern. Manche denken vielleicht an Jumbo-Jets oder Raketen. 
Andere werden an Märchenfiguren erinnert: ›Peterchens Mondfahrt‹ lässt grüssen.
›Himmelfahrt, das ist doch nichts für moderne Menschen,‹ hören wir.
 
›Sich das vorzustellen, dass einer in den Wolken entschwebt und irgendwie verschwindet ...‹ -

Darum nutzt man den Tag anders: Man geht ins Grüne. 
Es ist der große Ausflugstag der Väter, der Fahrt ins Grüne, oder auch ins ›Blaue‹. Ein Verein schrieb auf einem Plakat: ›Wir treffen uns zur gemeinsamen Himmelfahrt. - Abfahrt 7:30 Uhr.‹

Man hat also den Himmelfahrtstag zu einem Vatertag gemacht, weil die Väter endlich auch einen Tag haben wollten, genauso wie die Mütter ihren ›Muttertag‹.  Dabei ist der Name ›Vatertag‹ gar nicht so übel für den ursprünglichen biblischen Sinn dieses Festes. 
Denn darum geht es an Himmelfahrt: Jesus kehrt zurück zum Vater. 
›Er sitzt‹, so sagen es die Christen im Glaubensbekenntnis, ›er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.‹

»Aber bitte, wo ist das?«, fragen wir. »Und - Himmel - wo ist der? - Ist der oben oder unten?‹«
Seit Kopernikus wissen wir, dass die Erde eine Kugel ist. - Aber wo ist an einer Kugel oben oder unten? Und wo ist dann der Himmel? 
Und wo ist Jesus, wenn er dorthin gefahren ist?

Nun, bevor wir darauf nach eigenen Antworten suchen, denke ich, ist jetzt die Himmelfahrtsgeschichte selber dran, das Original aus der Apostelgeschichte. In dieser Geschichte lassen sich Antworten finden auf die Frage: "Wo ist denn der Himmel und wo ist Jesus jetzt?"

Und was mir an der Geschichte auch gefällt: 
Die Jünger, die mit Jesus lebten und die Kreuzigung mit ansehen mussten und die dann Jesus auch als Auferstandenen sahen, diese Jünger verstanden die Himmelfahrt Jesu auch nicht gleich.  Im Gegenteil. 
Sie guckten wohl etwas belämmert Jesus hinterher und sie hatten die Frage in den Augen:  »Wo ist er denn jetzt?«

Und diese Jünger brauchten auch Boten Gottes, die ihnen auf die Sprünge halfen. Aber hören wir nun den Bericht des Lukas.

Apg 1, 8-12: (Elberfelder)

«Jesus sagte seinen Jüngern: 
Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.
Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Blicken emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
Und als sie gespannt zum Himmel schauten, wie er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? 
Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.”

So weit der Text aus der Bibel.

Wo ist er also, der Himmel?  Ich sehe sie in Gedanken vor mir, die Jünger auf dem Ölberg, wie sie gebannt  Jesus hinterherschauen und ihn dann doch nicht mehr sehen.  Sie sehen es einfach nicht, wo er jetzt ist. 
Sie starren ihm nach, solange, bis da zwei Männer erscheinen, Boten Gottes, und ihnen klarmachen: 
»Ihr sucht falsch, wenn ihr mir euren Augen Jesus sehen wollt. 
Schaut nicht mehr nach oben, schaut nicht mehr in eine Wolke, schaut Jesus nicht mehr hinterher, denn er ist in den Himmel aufgenommen.«

Himmel, wenn die Bibel davon spricht, dann meint sie eben nicht die Wolken über uns oder die Weiten des blauen Firmaments. Die englische Sprache unterscheidet hier besser als unsere deutsche Sprache. 
Der blaue Himmel ist der »sky«.  Wenn aber die Bibel vom Himmel spricht, dann heißt es: »heaven«. und das meint dann den Bereich Gottes, seine sichtbare und unsichtbare Welt. 

Und diese Welt Gottes ist nicht etwa in den Wolken über uns, sondern Gottes Welt ist überall. Sie ist überall auf dieser Welt. Auch in dem kleinen Krankenzimmer, wo jetzt jemand einsame Tränen weint. Himmel ist dort, wo Gott ist. Himmel ist der Machtbereich Gottes. Und den können wir mit unseren sterblichen Augen nicht sehen. Das haben damals die Jünger auf dem Ölberg erfahren.

 Himmelfahrt heißt: in die unsichtbare Welt Gottes kehrt Jesus zurück. 
 
Er regiert, er hat die Fäden der Weltgeschichte in der Hand, auch im neuen Jahrtausend. Und er hat auch die Fäden meines kleinen Lebens in seiner Hand, Anfang und Ende und jeden einzelnen Tag.
Himmelfahrt ist darum so etwas wie ein ›Anti-Angstfest‹, eine Proklamation gegen die Sorge, mein Leben könnte irgendwie ins Nichts fallen, in die Sinnlosigkeit abstürzen oder am Ende ohne Halt bleiben.
Ich verstehe, dass Menschen, die ohne Vertrauen auf Christus leben, am Ende Angst haben.
 Sie wollen dieser Angst begegnen, indem sie Horoskope lesen oder im Kartenlegen für sich Sicherheit finden. 
Aber Jesus sagt: »Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.«(Mt 24, 20)

Und wo ist nun also der Himmel? 
Nicht oben in den Wolken, auch nicht in den Weiten des Weltraums, sondern da, wo Gott ist. Da, wo ein Mensch es für sich annimmt: »Jesus Christus lebt in mir und ich in ihm!«, - da ist Himmel. Das ist fast zu groß: 
Der Himmel bei mir! - Ja, noch mehr: Der Himmel in mir!

Noch einmal zurück zu den Jüngern, wie sie dort auf dem Berg stehen und gebannt nach oben schauen. 
Sie starren Jesus nach, als ob sie ihn festhalten wollten, als wollten sie sagen:  »Ach Herr, wir brauchen dich doch, dein Predigen, dein Heilen, dein Vergeben, dein Mutmachen., Herr, wir brauchen doch deine Kraft.«
So schauen sie Jesus nach. Bis die beiden Männer sagen:

»Was steht ihr und seht hinauf zum Himmel?Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.«

Auf die Frage, wo denn der Himmel ist, bekommen wir hier eine tiefe Antwort: Der Himmel ist dort, wo Gott ist, hatten wir vorhin gesagt. 
Der Himmel in mir!  Himmelfahrt heißt nicht: Jesus verlässt diese Welt. 
Im Gegenteil: Er will Wohnung machen in Menschen, die ihm vertrauen.
 Er will heute und jeden Tag bei uns wohnen. 
Und wo er einzieht, da verändert er Menschen.

 

 

Herr,
wir möchten dich heute
nicht so sehr etwas bitten.
Sondern wir beten zu dir,
dass du unsere Augen für das öffnest,
was du uns schon längst
geschenkt hast.

Wir übersehen an uns selber
und in unserer Welt vieles,
wofür wir dir dankbar sein können.
Für das, was wir übersehen haben,
und für die glücklichen Augenblicke
 in unserem Alltag
sagen wir dir Dank.

Amen.

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